Ein großer musikalischer Abend

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Das traditionelle Jahreskonzert zum Stephanstag des Musikvereins Denzlingen wurde zu einem genussreichen Erlebnis.

Montag, 29. Dezember 2008 - Artikel in der Badischen Zeitung
Verfasser: Markus Zimmermann-Dürkop

DENZLINGEN. Das Kollektiv ist alles, oder zählt nur das Individuum? Eindrucksvoll unterstrich der Musikverein Denzlingen bei seinem traditionellen Jahreskonzert zum Stephanstag, dass keines der beiden Extreme Gültigkeit hat. Individualität und Gemeinsinn bildeten die Grundlage für einen Abend voller Genuss.

Mit einem klassischen Eröffnungsstück, einem von Trompetensätzen gekennzeichneten Prélude, startete das Hauptorchester sein vielfältiges Programm, das in diesem Jahr unter keinem Motto stand, was Freiräume schuf, die reichlich genutzt wurden. So schon beim zweiten Stück, dem 1. Satz eines Konzerts für Klarinette. Einfühlsam führte Harald Aigeldinger, seit 16 Jahren musikalischer Leiter, das Ensemble, das den Boden bereitete für die solistischen Ausflüge von Selina Reichenbach. Die Abiturientin zauberte mit ihrer Klarinette, bezauberte mit einem von unterschiedlichen Stimmungen geprägten Spiel und erntete verdient begeisterten Beifall und die Gratulation des Maestros.

Mit symphonischer Programmmusik, dazwischen die unverzichtbaren Märsche, faszinierte das Ensemble anschließend. Diese Musik führte in die von unterschiedlichen Stimmungen geprägte Landschaft und Lebenswelt des Schwarzwaldes (Silva Nigra), die nordische Götterwelt mit dem sagenhaften Streit zwischen Gut und Böse (Fate of gods) und in die slawische Kultur.

Großartig zeichneten dabei die Musiker, sehr konzentriert geleitet, eine Vielfalt unterschiedlicher Stimmungsbilder zwischen dunkler Bedrohlichkeit und heller Freude. Wunderbare Wechsel zwischen den einzelnen Registern, von der Piccolo-Flöte bis zur Tuba, bildeten dabei die Grundlage für einen runden Klang. Dass in dem großen Orchester selbst die einzige Oboe zur Geltung kam, ohne den Eindruck zu erwecken, dass sie sich durchsetzen müsse, bezeugte die Harmonie im Orchester. Ein Orchester, das eben auch von Individuen wie Thorsten Hehn lebt. Er feierte mit dem Stück "Slavia" eine hörenswerte Premiere am Dirigentenpult. Dass fünf Mitwirkende ihre Konzertpremiere feierten, war nicht herauszuhören. Das vor dem Hauptorchester auftretende Jugendorchester ließ mit einem anspruchsvollen Programm unter der Leitung von Diana Stephan erkennen, dass Sorge um die Zukunft des Musikvereins unangebracht ist.

Jugend- und Hauptorchester ernteten lang anhaltenden Applaus für einen großen musikalischen Abend.