Majestätische Klänge

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Das Stephanskonzert des Musikvereins Denzlingen war von Musik aus Großbritannien geprägt.

Montag, 28. Dezember 2009 - Artikel in der Badischen Zeitung:
Verfasser: Markus Zimmermann-Dürkop

DENZLINGEN. Typisch britisches Understatement war beim Stephanskonzert des Musikvereins am zweiten Weihnachtsfeiertags keineswegs angebracht . Auch wenn im Mittelpunkt des Programms Musik von den britischen Inseln stand. Das Hauptorchester des Musikvereins begeisterte knapp zwei Monate nach dem großartigen Auftritt im Rahmen der Kulturwoche mit einem faszinierenden Programm und wurde dabei von Ian Harrison, einem echten Stargast ergänzt.

Während der britischen Küche nachgesagt wird, eintönig und fad zu schmecken, ist die Musik von den britischen Inseln von einer außergewöhnlichen Vielfalt gekennzeichnet, die vor allem aber einen gemeinsamen Nenner hat. Ob volkstümliche Lieder und Tänze, Märsche, Choräle, Hymnen – in der britischen Musik schwingt immer eine gewisse Vornehmheit, etwas Majestätisches mit. Ein Charakterzug, der nochmals unterstrichen wurde, als das Hauptorchester als erste Zugabe das einzige nicht britische Werk, den preußischen "Helenenmarsch" spielte. Dem geht dies völlig ab. Festlichkeit erstrahlte danach zum Ausklang wieder mit "Amazing Grace", zu dem Ian Harrison ein zweites Mal den Dudelsack blies.

Zuvor schon hatte der aus Newcastle upon Tyne stammende Künstler dem Konzert einen ganz besonderen Glanz verliehen, indem er virtuos den Solistenpart bei "Highland Cathedral" übernahm. Staunenswert, wie filigran der Dozent für das Spiel von Holzblasinstrumenten des Mittelalters und der Renaissance mit großer Fingerfertigkeit der Sackpfeife die fliegende Melodie entlockte. Ein eigenwilliger Klang, reich an Verzierungen, mit dem in Einklang zu finden durchaus eine Herausforderung für das Orchester darstellte. Doch unter der Leitung von Harald Aigeldinger gelang dies in bekannter Art und Weise.

Überhaupt zeigte sich das Hauptorchester auch bei den anderen Werken für das Jahreskonzert glänzend disponiert. Schon zum Auftakt mit dem irischen Stück "Lord Tullamore", das martialische Trommelwirbel und Fanfarenstöße mit flinken, tänzerischen Melodien verbindet. Bewundernswert, wie die verschiedenen Register sich die Themen gegenseitig zuspielten, wie die Flöten helle Kontrapunkte setzten und dazwischen sinnlich romantische Passagen eingebunden wurden. Nicht nur hier erwies sich die Ergänzung des Orchesters durch eine Oboe - eine Gastspielerin aus Reute - als echter Zugewinn.

Alle Ehre machte Dieter Schmidt als Solist dem Namen seines Instruments bei den "Variants on an English Hymn Tune", denn er präsentierte das tiefe Blechblasinstrument "Euphonium" als wirklich "wohlklingend"– sicher ein Höhepunkt des Konzerts, das immer wieder den Rahmen dafür bietet, dass sich einzelne Mitglieder auf besondere Weise präsentieren können. So auch Jutta Gerber an der Piccolo-Flöte bei der von großen thematischen Unterschieden geprägten "Suite on Celtic Folk Songs". Majestätische Emotion und Festlichkeit pur verbreitete sich im sehr gut besuchten Kultur- und Bürgerhaus bei "Pomp and Circumstance".

Nicht "Pomp" aber "P" hatte sich das Jugendorchester unter der Leitung von Diana Stephan zum Motto gewählt und präsentierte neben dem programmmusikalischen "Pocahontas" und "Pop and Swing" mit drei Themen aus der "Peer Gynt Suite" auch Klassisches. Dabei zeigten die Nachwuchsmusiker nicht nur, dass sie mit instrumentaler Spielkunst und harmonischem Zusammenspiel auf einem guten Weg sind. Wie sie die drei, von großen Unterschieden gekennzeichneten Werke darboten, zeugte von beachtlicher Empathie für diese. Jana Hermann, Sarah Fehrenbach, Tobias Weißmann und Natascha Aigeldinger ließen als Solisten erkennen, dass das Hauptorchester auf sicheren Nachwuchs bauen kann.