Musikverein Denzlingen e.V.

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Das Musizieren macht halt Spaß

BZ-SERIE ZEITZEUGEN: Vor über 60 Jahren ist Walter Schlegel in den Musikverein Denzlingen eingetreten und spielt bis heute mit.

Montag, 17. März 2014 - Artikel in der Badischen Zeitung
Verfasser: Markus Zimmermann

DENZLINGEN. Schon im Alter von 15 Jahren begann Walter Schlegel mit dem Spiel des Flügelhorns. Knapp zwei Jahre später wechselte der gebürtige Denzlinger von der geistlichen zur weltlichen Musik: 1951 trat das einstige Mitglied des evangelischen Posaunenchores in den Musikverein Denzlingen ein. Mit dem konnte Schlegel nun am Wochenende das 150-jährige Bestehen feiern. Unter den knapp 50 Mitgliedern des Hauptorchesters ist der 78-Jährige derzeit der einzige Flügelhornist.

"Zwei, drei Tage vor der ersten Probe im Rathaussaal bekam ich ein Instrument", erinnert sich Schlegel an den Start seiner Karriere im Musikverein. Und etwas umlernen musste er auch – kam er doch vom Posaunenchor. "Beigebracht haben mir das die Mitspieler oder aber es hieß: ’Bis zum nächsten Mal kannst du das schon’", berichtet Walter Schlegel. Neben dem heutigen Dirigenten Harald Aigeldinger hat bei Walter Schlegel Musikdirektor Otto Hinsche den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen. Insgesamt hat Schlegel 16 Dirigenten erlebt. "Das Spielen war früher einfacher", meint er. Eine Melodie habe es gegeben, die habe man dreimal gehört und dann war‘s das. Hinsche jedoch war anspruchsvoller und ließ die knapp 25 Musiker auch Operettenouvertüren aufführen. An diesen sei sehr lange, manchmal länger als heute an einem Stück, geprobt worden. Ansonsten prägten Märsche das Programm. "Der Larida-Marsch war sozusagen der Denzlinger Nationalmarsch", weiß Schlegel. Gelegentlich fanden sich auch sechs, acht Musiker zusammen, die mit Walzer, Rheinländer und Marsch zum Tanz aufspielten.

Als 17-Jähriger tratt Walter Schlegel 1951 dem Musikverein bei, am Wochenende kann er mit diesem das 150-jährige Bestehen feiernSehr wach ist für Schlegel noch die Erinnerung an das Fest zum 75-jährigen Bestehen des Vereins im Jahr 1954 – damals noch ohne Uniformen. "Der riesige Festumzug mit 28 Kapellen fand genau an dem Sonntag statt, als die Nationalmannschaft in Bern zum WM-Finale auflief", erzählt Walter Schlegel. Deshalb war dann auch der Beginn des Umzugs verschoben worden. Für die Musiker sei es zugleich auch das Finale einer wochenlangen Tournee gewesen – denn schließlich erwarteten die Gastkapellen einen Gegenbesuch. Termine des Musikvereins waren neben dem damals schon fest verwurzelten Stephanskonzert die Beteiligung an der Fronleichnamsprozession und das Fest im Garten der "Krone", woraus später das Steinbruchfest wurde. Außerdem wurde zu Beerdigungen gespielt.

"Heute geht es gar nicht ohne, stellen Mädchen und Frauen doch das Groß des Orchesters", erinnert Walter Schlegel daran, dass der Musikverein bis in die 1960er Jahre ein reiner Männerclub war. Die Veränderung sei in der Instrumentierung spürbar, denn Klarinette, Querflöte oder aber Oboe habe es früher im Orchester nicht gegeben.

Höhen und Tiefen hat Walter Schlegel mit "seinem" Musikverein erlebt. "Anfang der 70er Jahre, in St. Cyr, waren wir gerade mal 16 Musiker und standen ohne Dirigent da", berichtet er. Er selbst hat 17 Jahre lang dem Vörstetter Musikverein angehört. "Dort waren die Proben donnerstags, das ließ sich mit meinem Beruf besser vereinbaren als die Denzlinger Proben am Freitagabend", erklärt er. Für die guten und schlechten Phasen hat er noch eine weitere Erklärung. "Es fehlte der Mittelbau, die Jahrgänge 1935/1936 waren die Jüngsten und die anderen waren viel älter". Der Krieg hatte auch da Lücken gerissen.

Dass Walter Schlegel mit 78 Jahren immer noch dabei ist, erklärt er knapp: "Das Musizieren macht halt Spaß". Und den lässt er sich auch von moderner Musikliteratur nicht vertreiben. "Offenheit und Zuverlässigkeit" sind für ihn die Grundlagen für eine gelungene Vereinsarbeit. Deshalb hat er auch im hohen Alter noch ein Amt im Vorstand inne.

Früher hatte er auch die Aufgabe des Chauffeurs übernommen. "Zu viert war es manchmal ganz schön eng in meinem Goggomobil", hat Walter Schlegel noch eine weitere Anekdote aus der Musikvereinshistorie zu bieten.